Midibus






Midibus vom Typ Mercedes-Benz Cito O520 in Tarnów im Stil der Vorkriegszeit (2001)


Ein Midibus[1] ist ein Linienbus, der eine Länge von rund acht bis zehn Metern aufweist und damit um zwei bis vier Meter kürzer als ein Standardbus ist. Fahrzeuge dieser Art haben seit den Achtzigerjahren vor allem im Linienverkehr in kleineren Städten und in Randgebieten großer Städte Verbreitung gefunden. Reisebusse in dieser Größe werden als Clubbusse bezeichnet.




Inhaltsverzeichnis






  • 1 Konstruktion


  • 2 Marktposition


  • 3 Hersteller und Modelle


  • 4 Literatur


  • 5 Weblinks


  • 6 Einzelnachweise





Konstruktion |




Midibusse in zwei verschiedenen Breiten, aber gleicher Optik




Ein Van Hool A300 K für den Nordamerikanischen Markt mit deutlich verkürzten Überhängen an Front und Heck


Größenordnung und Platzangebot eines Midibusses liegen oberhalb von Minibussen, aber immer noch deutlich unterhalb von Standardbussen mit zwölf Metern Länge. Die Länge liegt zwischen 8,0 und 10,5 Metern, die Beförderungskapazität bei 35 bis 85 Personen.
































Größenvergleich Linienbusse[2]
Fahrzeug Länge
in Metern
Sitzplätze Kapazität
in Personen
Motorlage
Minibus
06,0–7,5
13–22
020–35
Front
Midibus
08,0–10,5
20–30
035–85
Heck
Solobus 10,6–12,0 35–40 100–105 Heck

Die Midibusse können dabei in zwei verschiedene Baugrößen eingeteilt werden.[1] Die größeren Baureihen sind verkürzte Standardbusse, bei denen der Mittelteil zwischen Vorderachse und der zweiten Türe um etwa zwei Sitzreihen kürzer ist und sonst keine konstruktiven Unterschiede bestehen. Die kleineren Busse sind Eigenkonstruktionen, die zusätzlich kürzere Überhänge vorn und hinten aufweisen, dabei aber sehr viele Bauteile der Standardbusse übernehmen. Manche dieser Fahrzeuge sind um 15 Zentimeter schmäler (2,35 m).[2]


Allen Midibussen ist gemein, dass sie sich vor allem optisch und vielfach auch konstruktiv stark an den Standardbussen des jeweiligen Herstellers orientieren. Übernommen werden etwa Scheinwerfer, Stoßfänger, Rückleuchten, Seitenscheiben, Türen, Innenausstattung und die Motoreinbaulage im Heck.[2] Dies stellt auch das wesentliche Kriterium zur Abgrenzung gegenüber den Minibussen dar, die in der Regel auf Kleintransportern mit Frontmotor aufbauen. Die Übergänge zwischen den beiden Midibus-Baugrößen sind indes fließend.


Eine technisch ähnliche Konstruktion für Fernreisen stellen Clubbusse dar.



Marktposition |




Selten sind Midi-Oberleitungsbusse, hier ein 9,6 Meter langer Wagen in Lyon


Der wesentliche Grund für die Anschaffung der Midibusse liegt vor allem darin, die Größe des Fahrzeugs der Nachfrage anzupassen. Solobusse wirken in kleinen Städten besonders außerhalb der Hauptverkehrszeit bei schwacher Besetzung überdimensioniert, während die Kapazität von Minibussen häufig schon bei Städten mit 15.000 Einwohnern zur Hauptverkehrszeit nicht mehr ausreicht.[1][3] Daneben haben Midibusse eine höhere Wendigkeit, was etwa in Gebirgstälern oder engen Altstadtgassen von Vorteil ist. Um Kapazitätsspitzen auf Midibuslinien abzufangen gibt es Anhänger für Midibusse.


Wirtschaftlich gesehen ist der Vorteil eines Midibusses gegenüber einem Standardbus offenbar nicht sehr groß. Zwar lagen die Anschaffungskosten (2004) mit rund 220.000 Euro rund 50.000 Euro niedriger als bei Standardbussen. Doch die Kosten pro Einsatzstunde lagen rein rechnerisch bei 42 Euro gegenüber 45 Euro beim Standardbus.[4]


Im Falle von Oberleitungsbussen werden verkleinerte Fahrzeuge unter anderem beschafft, wenn einzelne Abschnitte nicht von Wagen in Normgrösse befahren werden können und der elektrische Betrieb beibehalten werden soll. Die Neuelektrifizierung einer Midibuslinie ist hingegen aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf Grund der Infrastrukturkosten kaum lohnenswert.



Hersteller und Modelle |




Solaris-Midibus vom Typ Alpino 8.6 in Leipzig


Größere Midibus-Modelle sind beispielsweise der Citaro K von EvoBus, der MAN Lion’s City M und der Volvo 7900 10,6 m. Zu den Vertretern der kleineren Baugröße gehören der Solaris Alpino, der Heuliez GX137, der Van Hool NewA309 sowie der Hess SwissAlpin. Die bis 2003 hergestellten Neoplan Centroliner und Mercedes-Benz Cito waren zeitweise in den deutschsprachigen Ländern weitverbreitet, sind auf Grund ihres Alters heute allerdings nur mehr vereinzelt im Einsatz.


Neben Solaris Bus & Coach aus Polen gibt es weitere osteuropäischer Modelle wie den ungarischen Ikarus 405 oder den russischen PAZ-3237, die als echte Midibusse bezeichnet werden können. In Großbritannien sind oftmals Midibusse der Marken Alexander Dennis, Wrightbus und Optare im Einsatz, insbesondere der Dennis Dart war zwischenzeitlich weitverbreitet.



Literatur |



  • VDV – Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.): Linienbusse: fahrgastfreundlich, wirtschaftlich, schadstoffarm. Alba Fachverlag, Düsseldorf 1999, ISBN 978-3-87094-641-8. 

  • VDV – Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.): Stadtbus – mobil sein in Klein- und Mittelstädten. Alba Fachverlag, Düsseldorf 2000, ISBN 3-87094-642-3, Moderne Fahrzeuge, S. 173 ff. 



Weblinks |



 Commons: Midibuses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


  • Michael Müller: DB EK 87 (O402). Mercedes-Stadtlinien-Kleinbusse des Typs O402. Traditionsbus-Berlin, 2006, abgerufen am 12. Juni 2009 (beispielhafte Darstellung zu Entstehung und Einsatz von Midibussen). 


Einzelnachweise |




  1. abc Stadtbus, S. 173ff.


  2. abc ungefähre Angaben aus verschiedenen Verkaufsprospekten der unten genannten Hersteller


  3. Stadtbus, Besonderheiten bei Kleinstadt-Bussystemen, S. 272 ff.


  4. Quelle: ZIV – Zentrum für integrierte Verkehrssysteme GmbH (Planungsbüro)




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